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Changed Lives|Jünger Machen
ZeitBeziehung

Warum dein Terminkalender ein Liebesbrief sein sollte

Jürgen Justus··
Artikel missionarischer Lebensstil 7


Heute muss alles optimiert werden: unsere Arbeitsabläufe, unser Training, unsere Ernährung, sogar unser Schlaf. Wir haben Apps, die uns sagen, wie wir jede Minute des Tages noch produktiver nutzen können. In dieser Welt ist „Zeitverschwendung“ so etwas wie eine Todsünde. Wer Zeit verschwendet, gilt als disziplinlos oder erfolglos.

Aber hier ist die unbequeme Wahrheit für unseren missionarischen Lebensstil: Liebe lässt sich nicht optimieren. Liebe kennt keine Stoppuhr. Wahre Zuwendung braucht oft genau das, was unsere Kultur verachtet: das großzügige, zweckfreie „Vergeuden“ von Zeit für einen anderen Menschen.

Dallas Willard, einer der klügsten Denker über das geistliche Leben, sagte einmal den berühmten Satz: „Du musst die Eile gnadenlos aus deinem Leben ausrotten.“ Warum? Weil Eile und Liebe nicht im selben Herzen wohnen können. Wer eilt, sieht Menschen nur noch als Hindernisse auf dem Weg zum nächsten Termin. Wer eilt, hat keinen Blick für das Ebenbild Gottes im Gegenüber.

Die Disziplin der „Gegenwärtigkeit“

Ein missionarischer Lebensstil bedeutet im Kern, die Kunst der Gegenwärtigkeit zu erlernen. Das ist die Fähigkeit, in einem Gespräch wirklich da zu sein. Nicht schon drei Sätze weiter zu denken, nicht heimlich auf das vibrierende Handy in der Hosentasche zu schielen und vor allem: nicht auf die Uhr zu schauen.

Wenn wir auf die Uhr schauen, während jemand uns sein Herz ausschüttet, senden wir eine subtile, aber schmerzhafte Botschaft: „Was du sagst, ist interessant, aber meine nächsten zehn Minuten sind wertvoller als du.“

Echtes Zuhören ist heute zu einem „Sakrament“ geworden, einer heiligen Handlung. In einer Welt, in der jeder nur noch „kurz“ Zeit hat, ist ein Mensch, der sich „verschwenderisch“ Zeit nimmt, ein Wunder. Es ist eine Form der Wertschätzung, die tiefere Wunden heilen kann als jeder kluge Rat. Du ehrst das Ebenbild Gottes im anderen, indem du ihm deine ungeteilte Gegenwart schenkst.

Der Terminkalender als Liebesbrief

Mark Batterson beschreibt in The Circle Maker (Der Kreiszieher), dass Gebet unsere Wahrnehmung für Menschen verändert. Wenn wir anfangen, „Kreise“ um unsere Mitmenschen zu ziehen – also beharrlich für sie zu beten –, bereitet Gott unser Herz darauf vor, Zeit nicht mehr als Währung, sondern als Geschenk zu sehen.

Dein Terminkalender ist eigentlich ein Spiegel deiner Prioritäten. Er zeigt, wen und was du wirklich liebst. Ein missionarischer Lebensstil bedeutet, den Kalender nicht nur als Liste von Erledigungen zu sehen, sondern als ein Werkzeug der Liebe. 

  • Hast du „Lücken“ für das Ungeplante? 
  • Gibt es Zeiten, in denen du einfach nur „verfügbar“ bist? 
  • Ist in deinem Leben Platz für die „göttlichen Unterbrechungen“, von denen Jesus so viele hatte?

Die heilige Unterbrechung

Jesus war nie in Eile. Obwohl er die wichtigste Mission der Weltgeschichte hatte, ließ er sich ständig unterbrechen. Er hielt an für den blinden Bettler, für die blutflüssige Frau, für die spielenden Kinder. Für Jesus war die Unterbrechung oft die eigentliche Mission. 

Wir denken oft, unsere „Arbeit für Gott“ sei das, was wir geplant haben. Aber oft ist die „heilige Zeitverschwendung“ – das Gespräch am Gartenzaun, das sich ungeplant in die Länge zieht, oder der Kaffee mit dem traurigen Kollegen – genau der Ort, an dem Gott wirken will. 

Praktische Schritte zur Zeitverschwendung

Wie lernen wir das? Es ist eine geistliche Übung:

  1. Der 10-Minuten-Puffer: Plane zwischen deinen Terminen bewusst 10 Minuten mehr ein. Nicht für E-Mails, sondern für „Zufälle“. 
  2. Handy-Fasten: Wenn du dich mit jemandem triffst, lass das Handy im Auto oder schalte es komplett aus. Gib dem anderen das seltene Geschenk deiner ungeteilten Aufmerksamkeit.
  3. Das „Amen“ im Gespräch: Beende Gespräche nicht hektisch. Schenke dem anderen die letzten zwei Minuten, in denen nichts mehr „gelöst“ werden muss, sondern in denen man einfach nur beieinander ist.

Fazit

Liebe braucht Zeit. Viel Zeit. Unproduktive Zeit.
Hör auf, deine Beziehungen optimieren zu wollen. Fang an, sie zu genießen. Sei bereit, Zeit für Menschen zu „verschwenden“, so wie Gott seine Gnade an uns „verschwendet“. 

Wenn die Leute anfangen zu sagen: „Ich weiß nicht, was es ist, aber wenn ich mit dir rede, habe ich das Gefühl, der einzige Mensch auf der Welt zu sein“, dann hast du das Herz Jesu widerspiegelt. Und das ist jede Minute wert.

Kernzitat zum Mitnehmen:

"Zeit, die wir für die Liebe 'verschwenden', ist die einzige Zeit, die wir für die Ewigkeit investieren. Wer keine Zeit hat, am Brunnen des Nächsten stehen zu bleiben, wird niemals das lebendige Wasser weitergeben können." – (Frei nach Dallas Willard)

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