Zum Inhalt springen
Changed Lives|Jünger Machen
JüngerschaftDeutschland

Go. Make. Multiply. – Hoffnung für Deutschland an Bord der Logos Hope

Jürgen Justus··
5660f2597ae429fc4f90dafd3bc8fa8e.1170x5000 BdUlz23

Ein Bericht von der Veranstaltung „Go. Make. Multiply." in Hamburg (13. Juni 2026)

Wenn ein Schiff zum Gleichnis wird

Es gibt Orte, die selbst zur Botschaft werden. Die Logos Hope – das größte schwimmende Buchschiff der Welt und ein Flaggschiff von OM (Operation Mobilisation) – ist so ein Ort. Als das Schiff im Juni 2026 in Hamburg festmachte, wurde es für einen Tag zum Versammlungsort einer Frage, die uns als Jünger-Macher unter den Nägeln brennt: Gibt es noch Hoffnung für Deutschland – und wie sieht sie konkret aus?

Das Motto der Veranstaltung war Programm: „Go Make Multiply" – Geh. Mach (Jünger). Multipliziere. Drei Worte, die den gesamten Tag prägten und die ich für unsere Arbeit nicht treffender hätte zusammenfassen können. Was an diesem Tag in Vorträgen, einer Podiumsdiskussion und persönlichen Zeugnissen geteilt wurde, war keine Schwarzmalerei über den Zustand der Kirche, sondern ein nüchterner und zugleich mutmachender Aufruf zu einer neuen Jüngerschafts-Kultur.

Dieser Bericht bündelt die wichtigsten Impulse – mit dem Blick darauf, was sie für uns als Menschen bedeuten, die Jünger machen wollen.

1. Die nüchterne Lage – und warum sie kein Grund zur Resignation ist

Die Zahlen, die zu Beginn genannt wurden, lassen niemanden kalt: Weltweit leben rund 3 Milliarden Menschen ohne Zugang zum Evangelium – und täglich kommen etwa 60.000 dazu.

Doch der Ton war nicht resigniert. Im Gegenteil: Immer wieder fiel der Appell, sich aus „einem pessimistischen, typisch deutschen Mindset" auszuklinken. Trotz Austrittswellen berichteten Leiter aus Norddeutschland von „Löwenzahn-Effekten" – kraftvollen geistlichen Durchbrüchen, die sich ihren Weg durch den Asphalt bahnen: Schülergebetskreise, Arbeit unter Geflüchteten, Einheit unter Leitern über Konfessionsgrenzen hinweg.

2. Das Herzstück: Jüngerschaft VOR Gemeindebau

In meiner Keynote sagte ich folgendes:

„Wir versuchen mit aller Kraft, Gemeinde zu bauen und machen keine Jünger. Das heißt, wir haben es umgedreht."

Meine Grundthese: Unser Auftrag ist nicht der Bau einer Organisation, sondern das Machen von Jüngern. Gemeinde ist dann nicht das Ziel, sondern die Frucht:

„Unser Job ist es, Jünger zu machen, und wenn wir Jünger machen, wird Gemeinde die Frucht werden."

Die vier Phasen der Jüngerschaft Jesu

Jesus ging mit seinen Jüngern nach einer bestimmten Strategie vor – ein Modell, das wir direkt in unsere Praxis übernehmen können:

  1. Entdeckerphase – „Komm und sieh": Die längste Phase. Einladung ins eigene Leben und Haus, Beziehungsaufbau ganz ohne Bekehrungsdruck.
  2. Connect-Phase – „Folge mir nach": Aufbau von Verbindlichkeit, Entscheidung für Jesus, Taufe, „Learning by Doing".
  3. Wachstumsphase – „Sei mit mir": Charakterbildung und Theologie mitten im Leben, nicht im Klassenzimmer.
  4. Multiplikationsphase – „Bring Frucht": Aussendung und Befähigung, selbst wieder Jünger zu machen.

„Wahre Jüngerschaft mündet in Multiplikation und nicht in den Konsum."

Und eine Mahnung, die unsere oft überfüllten Terminkalender entlarvt:

„Wir versuchen händeringend die Menschen zu erreichen, für die wir eigentlich keine Zeit haben. Beziehung ist Zeit, Beziehung ist Leben."

Praktische Multiplikation: Hausgemeinden

Patrick Noll, Leiter eines Hausgemeinde-Netzwerks (Koblenz/Frankfurt), zeigte, wie das konkret aussieht: Gemeinsames Bibellesen mit Fernstehenden dient als „Filter", um zu erkennen, wo Gott bereits wirkt. Neue Gläubige werden sofort ermutigt, ihre Erlebnisse mit Jesus weiterzugeben – statt sie in jahrelangen „Warteschleifen" für Kurse zu parken.

Sein Bild für den Moment, in dem reifer Charakter auf klare Methodik trifft:

„Da, wo diese beiden Sachen zusammenkommen, ist echt Explosionsgefahr."
— Patrick Noll

Praktisches Werkzeug – das Entdecker-Bibelstudium (DBS): Mit kirchenfernen Menschen einen Text lesen und drei einfache Fragen stellen: Was sagt das über Gott? Was über den Menschen? Was setze ich ganz konkret um?

3. Evangelisation als Lebensstil – nicht als Programm

In der Keynote von Bastian Decker "Leiter der Arbeitsgruppe „Missionarische Ausrichtung“ des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP)" wurde eine ernüchternde Zahl genannt: Rund 90 % aller Christen sprechen im Alltag nicht über Jesus. Das Wort „Evangelisation" ist oft negativ besetzt – verbunden mit Druck und Manipulation.

Die Lösung liegt in einem Verständniswechsel: Das biblische Euanggelizomai ist kein Event, sondern ein Lebensstil.

„Es ist kein Programm, es ist ein echter Lebensstil – gute Nachricht als Lebensstil."
– Bastian Decker

Dazu passt das Bild vom Evangelisten als Zurüster (Epheser 4): nicht der Einzelkämpfer, sondern derjenige, der die ganze Gemeinde befähigt. Für Leiter bedeutet das einen veränderten Tonfall:

„Deine Aufgabe ist es nicht, alle Christen zu deiner Idee zu überreden, sondern hilf ihnen, ihre Ideen umzusetzen, ihren Weg zu finden."
– Bastian Decker

Und ein Satz, der das Verhältnis von Beziehung und Botschaft auf den Punkt bringt:

„Die Menschen lieben erst uns und dann Jesus."
– Bastian Decker

Vision 2033: Hinter all dem steht ein überkonfessioneller Schulterschluss von 89 Verbänden und 70 Missionswerken mit dem Ziel, bis 2033 (dem 2000-jährigen Jubiläum von Auferstehung und Pfingsten) jeden Menschen in Deutschland mit dem Evangelium zu erreichen. Wenn du mehr von dieser Infinitive erfahren möchtest, dann schau gern hier vorbei: www.vision2033.de

4. Zukunftsmut: Willpower und Waypower

Dr. Evi Rodemann "Vorsitzende der „Koalition für Evangelisation in Deutschland – Lausanner Bewegung“" entfaltete in ihrer Vorlesung „Zukunftsmut" ein Konzept, das jeden Jünger-Macher ermutigt. Mut sei ein „inneres Kraftwerk" – und er bestehe aus zwei Komponenten:

  • Willpower – die Willenskraft, mutig neu zu denken.
  • Waypower – das Veränderungsverhalten, tatsächlich loszugehen und Wege zu finden.

Ihr direkter Bezug zu unserem Thema:

„Multiplikation ist Zukunftsmut in Aktion."
— Dr. Evi Rodemann

Und die heilsame Erinnerung an unseren eigentlichen Auftrag:

„Jesus hat uns keinen Erhaltungsauftrag an seine Gemeinde gegeben, sondern einen Sendungsauftrag."
— Dr. Evi Rodemann

Mut definierte sie schlicht und einprägsam: „Angst und ein Schritt wird zu Mut" – ergänzt durch das Wort von Corrie ten Boom: „Mut ist Angst, die gebetet hat."

5. Glaube im echten Leben – Stimmen aus der Praxis

„Ich bin eigentlich total ungeeignet für Mission"

Besonders berührend war das Zeugnis eines introvertierten Crew-Mitglieds aus dem Instandhaltungs-Team. Seine ehrliche Selbsteinschätzung:

„Ich bin eigentlich total ungeeignet für Mission. Ich bin eher menschenscheu."

Und trotzdem – oder gerade deshalb – wurde er zum Zeugen. Seine Erkenntnis, die jedem Christen Mut macht: Es ist „die Aufgabe von jedem Christen, seinen Glauben offen zu bekennen", und die Gemeinde hat die Aufgabe, „die Leute darauf vorzubereiten und ihnen Mut zu machen". Mission ist eben kein Privileg der Extrovertierten.

Glaube in der Arbeitswelt

In der Podiumsdiskussion sprach u.a. Thomas Bader (Senior Vice President bei Bosch) über dienende Führung am Arbeitsplatz. Sein Gebet wurde für mich zu einem Leitgedanken für Multiplikation im Beruf:

„Lass mich bitte ein Segen für diese Menschen sein – aber nicht so, dass sie mich als den Segen erkennen, sondern dass sie dich erkennen."
— Thomas Bader

Christian Kolb (Medienarbeit ERF) ergänzte mit einem Plädoyer für ehrliches Storytelling und Zusammenarbeit:

„Wenn wir Menschen erreichen wollen, muss ich aus meinem Leben erzählen, was Jesus mit meinem Leben zu tun hat."
— Christian Kolb

6. Was wir mitnehmen – fünf Impulse für Jünger-Macher

Aus diesem Tag lässt sich ein roter Faden für unsere eigene Praxis ziehen:

  1. Jüngerschaft kommt vor Gemeindebau. Wenn wir Jünger machen, wächst Gemeinde von selbst. Drehen wir die Reihenfolge nicht um.
  2. Beziehung ist Zeit. Wir erreichen Menschen nicht über Programme, sondern indem wir unser Leben und unser Zuhause öffnen („Komm und sieh").
  3. Evangelisation ist ein Lebensstil, kein Event. Jeder Christ – auch der Introvertierte – ist gesandt. Unsere Aufgabe als Leiter ist das Zurüsten, nicht das Überreden.
  4. Multiplikation ist gelebter Mut. Wir investieren in andere, damit sie wiederum andere befähigen – auch wenn wir die Frucht vielleicht nicht selbst ernten.
  5. Konkrete Werkzeuge nutzen. Das Entdecker-Bibelstudium (Was sagt der Text über Gott? Über den Menschen? Was setze ich um?) ist ein einfacher, sofort einsetzbarer Einstieg in Multiplikation.

Fazit

„Go Make Multiply" war mehr als ein Konferenz-Motto. Es war ein Weckruf, die Reihenfolge unseres Dienstes neu zu ordnen: weg vom Erhalten – hin zum Senden. Weg vom Programm – hin zur Beziehung. Weg vom Konsum – hin zur Multiplikation.

Danke an das ganze Logos Hope Team, dass ihr das möglich gemacht habt! Wir sehen, es bewegt sich einiges in Deutschland.

Die Logos Hope fährt weiter. Aber die Botschaft bleibt an Land: Hoffnung für Deutschland beginnt damit, dass gewöhnliche Christen anfangen, Jünger zu machen.


Kommentare

Kommentare werden geladen...

Kommentar schreiben

0/2000