Mitten in der Favela – Hoffnung, die wächst

Am Sonntag durften wir einen Gottesdienst der Igreja Batista Central in Vila Estrela, einer Favela in Belo Horizonte, besuchen. Nachdem wir in den vergangenen Tagen viele der modernen Stadtteile gesehen hatten – daneben aber auch immer wieder die große Armut und die sozialen Gegensätze dieser Millionenstadt –, führte uns unser Weg heute mitten hinein in eines der ärmsten Viertel.
Pastor der Gemeinde ist João Batista da Silva. Seine Geschichte ist außergewöhnlich: Vor rund 20 Jahren wurde er von Pastor Paulo Mazoni herausgefordert, in Vila Estrela eine Gemeinde aufzubauen. Aus kleinen Anfängen ist eine lebendige Gemeinde entstanden. Heute gehören 72 Zellgruppen mit rund 700 Menschen dazu.
Doch die Gemeinde beschränkt sich nicht auf ihre Gottesdienste. Direkt neben dem Kirchengebäude betreibt sie eine Schule mit rund 200 Kindern. Familien werden regelmäßig mit Lebensmitteln unterstützt, Menschen in schwierigen Lebenssituationen begleitet und Hoffnung ganz praktisch weitergegeben. Hier wird das Evangelium nicht nur gepredigt – es wird gelebt.
Besonders beeindruckend ist auch die Geschichte des Pastors selbst. João Batista war früher Profifußballer, absolvierte sieben Länderspiele für die brasilianische Nationalmannschaft, blieb dabei ungeschlagen und erzielte sogar ein Tor gegen die deutsche Nationalmannschaft. 1988 gewann er mit Brasilien die olympische Silbermedaille und gehörte zu einer Mannschaft, in der Spieler wie Romário, Bebeto und Cláudio Taffarel standen.
Als wir ihn nach seiner Fußballkarriere fragten, zog er sofort sein Handy hervor und zeigte uns mit einem Lächeln sein Kopfballtor gegen Deutschland. Ein besonderer Moment – und gleichzeitig wurde deutlich, dass ihn heute etwas anderes begeistert als seine sportlichen Erfolge.
Am meisten bewegt hat mich, wie selbstverständlich hier geistliche Leidenschaft und praktischer Dienst zusammengehören. Die Menschen beteten mit großer Hingabe, gleichzeitig ist die Gemeinde tief im Stadtteil verwurzelt. Sie kennt die Nöte der Menschen und übernimmt Verantwortung.
Diese Verbindung von leidenschaftlicher Anbetung, gelebter Jüngerschaft und konkreter Nächstenliebe begegnet uns auf unserer Studienreise immer wieder. Sie scheint ein wesentlicher Teil der DNA der Igreja Batista Central zu sein.
Ich frage mich, wie unsere Gemeinden aussehen würden, wenn wir dieselbe Leidenschaft hätten – Gott anzubeten, Menschen zu Jüngern zu machen und gleichzeitig den Bedürfnissen unseres Umfeldes mit offenen Augen und offenen Händen zu begegnen. Genau dort beginnt Kirche, die ihre Stadt verändert.
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