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Warum feiern brasilianische Gemeinden Multiplikation so intensiv?

Gefragt von Anonym·Beantwortet von Jürgen Justus

Wer zum ersten Mal einen Multiplikationsgottesdienst in Brasilien erlebt, ist oft überrascht. Neue Zellgruppen, neue Leiter und neue Standorte werden mit einer Begeisterung gefeiert, die man sonst eher von Taufen oder besonderen Festgottesdiensten kennt.

Der Grund dafür liegt tiefer als bloße Wachstumszahlen.

Für viele dieser Gemeinden ist Multiplikation kein organisatorisches Ziel, sondern Ausdruck des Missionsbefehls. Wenn eine Gruppe sich vervielfältigt, bedeutet das, dass neue Menschen erreicht werden können. Wenn neue Leiter entstehen, bedeutet das, dass mehr Menschen begleitet werden können. Wenn eine neue Gemeinde gegründet wird, bedeutet das, dass das Evangelium weitere Orte erreicht.

Deshalb feiern sie nicht die Größe ihrer Organisation, sondern die Ausbreitung des Reiches Gottes.

Interessant ist dabei, dass Multiplikation nicht als Verlust verstanden wird. In vielen Gemeinden fällt es schwer, Mitarbeiter oder starke Leiter auszusenden. Man hat Angst, etwas zu verlieren. Die brasilianischen Gemeinden denken oft anders. Sie sehen Aussendung als Gewinn.

Ein Pastor sagte sinngemäß: „Ein Baum beweist seine Gesundheit nicht dadurch, dass er immer größer wird, sondern dadurch, dass er Frucht hervorbringt.“

Diese Perspektive verändert vieles. Plötzlich wird nicht mehr gefragt: „Wie viele Menschen kommen zu uns?“, sondern: „Wie viele Menschen senden wir aus?“ Nicht die Sammlung von Menschen steht im Mittelpunkt, sondern ihre Freisetzung.

Vielleicht brauchen wir gerade diese Sichtweise wieder neu. Denn das Ziel Jesu war nie nur Wachstum, sondern Multiplikation.