Taufen: Festigung
Wie wir bereits gelernt haben, hat Jesus seinen Jüngern einen Auftrag gegeben: Sie sollen ebenfalls Jünger machen, in einem anhaltenden Prozess der Multiplikation. Dies soll in drei Phasen geschehen, die wiederum ebenfalls drei Schritte beinhalten, welche jeweils ein Ziel verfolgen. Das wird in der folgenden Tabelle erklärt:
Die drei Phasen der Jüngerschaft
- Hingehen (Evangelisation) Schritte: 1. Evangelisation, 2. Aufruf, 3. Entscheidung — Ergebnis: eventuell eine Entscheidungskarte
- Taufen (Festigung) Schritte: 4. erster Kontakt, 5. Festigung, 6. Taufe — Ergebnis: Gemeindemitgliedschaft
- Lehren zu Gehorchen (Jüngerschaft) Schritte: 7. Jüngerschaft, 8. Training, 9. Aussendung — Ergebnis: Leiter einer Zellgruppe
In den letzten beiden Einheiten haben wir uns mit der biblischen Grundlage und der Methodik von Evangelisation beschäftigt. In dieser und der nächsten Einheit werden wir uns mit der Phase der Festigung und Vertiefung des Glaubens beschäftigen.
Was bedeutet Festigung für dich?
Laut Duden bedeutet Festigung etwas „zu stärken, kräftigen; fester / widerstandsfähiger machen; stabilisieren; konsolidieren". In unserem Kontext bedeutet Festigung, die Entscheidung einer Person für Jesus zu stärken, kräftigen, fester und widerstandsfähiger zu machen, sie auf eine stabile Grundlage zu stellen. Eine Person, welche evangelisiert wurde, anschließend aufgerufen wurde Jesus zu folgen und sich für Jesus entschieden hat, ist wie ein neugeborenes Kind. Deshalb nennen wir solche Menschen auch „frisch bekehrt" oder „neue Christen". Es sind Leute, die spezielle Betreuung brauchen, bis ihr Glaube wächst und stark und selbstständig wird.
Hierbei ist es wichtig, zwischen einer „Entscheidung für Jesus" und einer „Wiedergeburt" zu unterscheiden. Eine Person, welche sich für Jesus entschieden hat, wurde dazu aufgefordert, Jesus zu folgen. So eine Person hat das Evangelium vom Kopf her verstanden, ist emotional berührt, hat die Botschaft des Evangeliums angenommen und ein Übergabegebet gesprochen. Das ist ohne Frage ein erster wichtiger Schritt, jedoch noch keine Garantie für eine echte Bekehrung (oder Wiedergeburt). Es kann sein, dass diese Person lediglich eine Entscheidung getroffen hat, weil sie durch ihren Verstand und ihre Emotion dazu bewegt wurde, jedoch noch keine geistliche Erfahrung mit Gott gemacht hat. Jemand, der durch eine übernatürliche Offenbarung wiedergeboren ist, versteht, dass er ein Sünder weit entfernt von Gott ist, und versteht, dass nur in Jesus Christus die Vergebung der Sünde und die Verbindung zu Gott ist. Deshalb glaubt er fest an Jesus und tut Buße für seine Sünde, was bedeutet, dass er auf Christus als Herr seines Lebens vertraut und sich seinem Willen freiwillig beugt.
Die Phase der Festigung hat folgende Ziele
Prüfen, ob die Entscheidung für Jesus mit einer Wiedergeburt einhergeht
Falls nicht, dann führe denjenigen zu einer echten Bekehrung
Falls ja, stärke den Glauben und bereite auf eine Taufe vor
Das Hauptziel ist es, die frisch Entschiedenen zur Taufe hinzuführen und in die Gemeinde zu integrieren. Die Taufe ist der Abschluss der Festigungsphase, mit ihr beginnt die Jüngerschaft.
Die Geschichte von Paulus und Ananias
In der Bibel gibt es eine Geschichte, welche die Phase der Festigung veranschaulicht und von der wir einige grundlegende Prinzipien entnehmen können. Es ist die Geschichte von Paulus und Ananias in Apostelgeschichte 9,1-19. In den Versen 1-5 lesen wir von Paulus, bevor er Christ wurde. Er verfolgte die Gemeinde, bis eine Erfahrung sein Leben total veränderte: Jesus begegnete ihm plötzlich auf seinem Weg nach Damaskus. Die Verse 6 bis 10 zeigen uns einige wichtige Fakten über die Bekehrung von Paulus. Ohne die Festigung seines Glaubens durch einen Jünger namens Hananias, wäre er wohl niemals zu dem großen Apostel geworden, der er war. Aus Apostelgeschichte 9,6-19 können wir einige sehr wichtige und nützliche Lektionen über die Festigung des Glaubens lernen.
Doch steh auf und geh in die Stadt, und es wird dir gesagt werden, was du tun sollst!
Apostelgeschichte 9,6
Lektion 1
Nachdem Jesus Paulus auf seinem Weg überrascht und ihm erzählt hat, wer er ist, fordert er Paulus auf, aufzustehen und in die Stadt zu gehen. Dort würde er auf jemanden treffen, der ihm sagt, was er tun soll. Aus diesem Vers können wir ein wichtiges Merkmal ableiten, welches den "Festiger" ausmacht: Sage dem "Neu-Bekehrten", was als Nächstes zu tun ist, d.h.: leite ihn.
Was wäre wohl ohne diese Anweisungen mit Paulus passiert? Was ist bei der Festigung des Glaubens eines neuen Christen wichtig?
Welche Anweisungen und Richtungsweisungen braucht ein neuer Christ?
Saulus aber richtete sich von der Erde auf. Als sich aber seine Augen öffneten, sah er nichts. Und sie leiteten ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus.
Apostelgeschichte 9,8
Lektion 2
Vers 8 macht uns den wahren Zustand von Paulus deutlich, in dem er nach seiner Begegnung mit Jesus war. Er konnte nichts sehen und war von der Hilfe anderer abhängig, um überhaupt nach Damaskus zu kommen. Ist das nicht auch der Zustand eines frisch Bekehrten? Genau wie bei Paulus kann es sein, dass ein frisch Bekehrter "nichts sieht", also dass er nicht richtig versteht, was gerade mit ihm passiert, und dass er Menschen braucht, die ihm beim Laufen helfen. Er braucht Menschen, die ihn an die Hand nehmen und mit ihm gemeinsam die ersten Schritte im Glauben gehen.
Und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht.
Apostelgeschichte 9,9
Lektion 3
Aus diesem Vers erfahren wir, dass zwischen der Begegnung mit Jesus und der Begegnung mit Hananias, der dazu berufen war, Paulus zu festigen, drei Tage lagen. Während der drei Tage war Paulus blind, außerdem aß und trank er nichts. Er hatte auf all seine Fragen keine Antwort und keine Klarheit über seine Zweifel. Sein Glaube war nicht gestärkt.
Für Paulus war es schwer, drei Tage lang nichts zu sehen, zu essen und zu trinken. Genauso schwer ist es für einen frisch Bekehrten, nach seiner Bekehrung ohne Führung und Rat dazustehen. Das zeigt uns, dass die Festigung ziemlich schnell geschehen sollte. Es gibt auch hier so etwas wie ein Verfallsdatum. Wenn eine Person kurz nach ihrer Bekehrung zu lange ohne Kontakt zu einer Gemeinde (das meint zu einem Jünger Jesu) ist, oder schlimmer noch gar keinen Kontakt zu einem Jünger Jesu hat, bleibt sie ohne Führung und Rat, und es kann passieren, dass ihr Glaube dadurch schwach wird oder sogar zu sterben beginnt. Deshalb ist es wichtig, dass ein frisch Bekehrter unmittelbar nach seiner Bekehrung oder seiner Entscheidung für Christus kontaktiert wird. Im Grunde gibt es zwei grundlegende und einfache Arten, wie die Kontaktaufnahme geschehen kann.
Zwei Wege der Kontaktaufnahme
Ein Anruf Der frisch Bekehrte erhält bis maximal drei Tage nach seiner Bekehrung oder seiner Entscheidung für Jesus einen Anruf von seinem "Festiger". Dieser stellt sich vor und macht ihm das Angebot, über mögliche Fragen oder Zweifel zu reden, und heißt den Bekehrten in der Gemeinde willkommen. Er stellt ihm den Gottesdienst und die Zellgruppen vor und macht einen Termin aus, an dem sie sich treffen können.
Ein Besuch oder ein Treffen Der frisch Bekehrte, oder derjenige, der eine Entscheidung für Jesus getroffen hat, wird vom "Festiger" besucht, oder man trifft sich an einem anderen Ort. Bei dieser Gelegenheit wird der frisch Bekehrte hinsichtlich seiner Bekehrung, seiner Beziehung zu Jesus (Bibellesen und Gebet), seines neuen Lebens und Möglichkeiten im Glauben zu wachsen (Gottesdienst, Zellgruppen, Mentoring) ungezwungen und persönlich beraten und betreut. Meistens gibt es so viel Gesprächsstoff, dass ein zweites und drittes Treffen sinnvoll ist. In der nächsten Einheit werden wir über eine kurze Anleitung zur Festigung reden.
Es war aber ein Jünger in Damaskus, mit Namen Hananias; und der Herr sprach zu ihm in einer Erscheinung: Hananias!
Apostelgeschichte 9,10
Lektion 4
Dieser Vers zeigt uns, wie der "Festiger" sein soll. Er soll ein Jünger Jesu sein, welcher vom Herrn dazu berufen ist zu "festigen". Diese Arbeit muss offensichtlich von jemandem getan werden, der selbst fest im Glauben ist. Nur ein reifer Jünger Jesu kann die Aufgabe der Festigung des Glaubens wirklich übernehmen. Während des Prozesses der "Verfestigung" teilt der erfahrene Jünger dem neugewonnenen Christen die Antworten und Erkenntnisse mit, die er im Laufe seiner eigenen Entwicklung gewonnen hat und die im Laufe der Zeit zu seinen persönlichen Überzeugungen geworden sind.
Hananias war nicht nur dazu berufen, ein Jünger zu sein, sondern auch dazu, Paulus in seinem Leben zu festigen. Der Missionsbefehl (Matthäus 28,19-20) fordert jeden Jünger Jesu dazu auf, andere Menschen zu Jüngern zu machen, was den Schritt der "Festigung" miteinschließt. Deshalb, wenn du ein Jünger Jesu bist, dann wurdest du schon dazu berufen, anderen bei dem Schritt zu helfen, im Glauben fester verwurzelt zu werden. Die Frage ist nur: Wem wirst du bei der "Festigung" helfen?
Welchen Menschen könntest du effektiv dabei helfen, ihren Glauben zu festigen und zu vertiefen?
Der Herr aber sprach zu ihm: Steh auf und geh in die Straße, welche die 'Gerade' genannt wird, und frage im Haus des Judas nach einem mit Namen Saulus von Tarsus! Denn siehe, er betet; und er hat in der Erscheinung einen Mann mit Namen Hananias gesehen, der hereinkam und ihm die Hände auflegte, damit er wieder sehend werde.
Apostelgeschichte 9,11-12
Lektion 5
Diese beiden Verse zeigen uns den Auftrag und die Notwendigkeit für einen persönlichen Kontakt zwischen dem Jünger Jesu und dem frisch Bekehrten – und auch die Erwartung, die der Neubekehrte hat, dass so ein Treffen stattfindet. Jesus gibt Hananias den Auftrag, zu Paulus zu gehen, um sich mit ihm zu treffen. Damit Hananias dies tun kann, gibt er ihm zunächst die Adresse von Paulus. Heute heißt das: Wenn wir mitbekommen, dass sich jemand bekehrt hat (eventuell durch eine "Entscheidungs-Karte"), dann ist es wichtig, dass der Neubekehrte besucht wird. Paulus hatte schon darauf gewartet, besucht zu werden, weil der Herr es ihm in einer Vision vorausgesagt hat. Genauso erwartet der frisch Bekehrte die Kontaktaufnahme von jemandem aus der Gemeinde, in der er sich bekehrt hat, um Führung und Rat zu bekommen.
Hananias aber antwortete: Herr, ich habe von vielen über diesen Mann gehört, wie viel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem getan hat. Und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle zu binden, die deinen Namen anrufen. Der Herr aber sprach zu ihm: Geh hin! Denn dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, meinen Namen zu tragen sowohl vor Nationen als auch vor Könige und Söhne Israels.
Apostelgeschichte 9,13-15
Lektion 6
Hananias wehrte sich dagegen, Paulus zu besuchen. Das liegt daran, dass Paulus einen schlechten Ruf in der Gemeinde hatte. Aus ähnlichen oder vielleicht aus ganz anderen Gründen wehren auch wir uns manchmal gegen die Aufgabe, neu bekehrte Christen im Glauben zu festigen. Wir haben keine Zeit oder kein Interesse. Oder der Charakter und die Vergangenheit der Person halten uns ab. Wir haben Angst vor möglichen Schwierigkeiten und Herausforderungen oder fühlen uns nicht gut oder schlau genug, um diese Aufgabe zu übernehmen.
Doch trotz aller Einwände, die Hananias vorbringt, war das Wort Gottes an ihn sehr direkt: "Geh!". Genauso sagt Gott auch zu uns "Geh", auch wenn wir ihm eine ganze Reihe an Ausreden präsentieren können, warum wir nicht zu Neubekehrten hingehen sollten. Warum? Weil es für Gott keine Hindernisse gibt, weder was den "Festiger" betrifft, noch was die Geschichte des frisch Bekehrten angeht. Es gibt nichts, was ihm unmöglich ist, er wird dir das geben, was du brauchst, um die Aufgabe des "Festigens" zu erfüllen. Er sieht den Menschen, zu dem der frisch Bekehrte werden kann: ein reifer Jünger, der weitere „Jünger macht", ähnlich wie es bei Paulus war, welcher ein Apostel Christi wurde.
Hananias aber ging hin und kam in das Haus; und er legte ihm die Hände auf und sprach: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt durch Jesus – der dir erschienen ist auf dem Weg, den du kamst –, damit du wieder sehend und mit Heiligem Geist erfüllt werdest. Und sogleich fiel es wie Schuppen von seinen Augen, und er wurde sehend, und stand auf und ließ sich taufen. Und nachdem er Speise genommen hatte, kam er zu Kräften. Er war aber einige Tage bei den Jüngern in Damaskus.
Apostelgeschichte 9,17-19
Lektion 7
In diesen Versen können wir erkennen, dass Hananias gehorsam war, und was das für Auswirkungen auf das Leben des Paulus hatte. Hananias ging zu Paulus und diente ihm mit dem, was Gott ihm gegeben hatte. Paulus kann wieder sehen, steht auf, lässt sich taufen, isst und erholt sich, um wieder zu Kräften zu kommen. Genauso erwartet Gott auch von uns, seinem Befehl gehorsam zu sein und zu frisch Bekehrten zu gehen und ihnen zu dienen, indem wir ihnen etwas von Gott geben. Die "Festigung" wird ihnen Führung und Rat geben und ihren Glauben stärken, was zur Integration des Neubekehrten in die Gemeinde durch die Taufe führen soll.
Zusammenfassung: Was wir über die Festigung gelernt haben
Frisch Bekehrte benötigen Festigung, weil sie Führung und Beratung hinsichtlich ihres neuen Glaubens brauchen.
Es gibt einen richtigen Zeitpunkt für die "Festigung", also sollte man nicht zu lange damit warten. Der sinnvollste Zeitpunkt ist innerhalb von drei Tagen, nachdem sich die Person für Jesus entschieden hat.
Die "Festigung" beginnt mit einem Telefonanruf oder durch einen Besuch und führt zu persönlichem Kontakt zwischen Festiger und dem Neubekehrten.
Der "Festiger" muss ein überzeugter und reifer Jünger sein, der gewillt ist, Gott zu gehorchen.
Der frisch Bekehrte erwartet, dass er von der Gemeinde kontaktiert wird.
Egal welchen Grund es haben mag, dass wir uns gegen die Aufgabe der "Festigung" wehren, Gottes Auftrag an uns lautet "Geh!".
Eine effektive und effiziente "Festigung" berät, führt und stärkt den Glauben des neu Bekehrten und führt dazu, dass er sich in der Gemeinde integriert und getauft wird.
Herausforderungen, welche sich aus dem Gesagten ergeben
Wenn du ein überzeugter und reifer Jünger bist, beruft Gott dich dazu, die Neubekehrten aus deiner Zellgruppe und der Gemeinde zu festigen. Wie antwortest du auf diese Berufung?
Welche Menschen kannst du festigen? Gibt es in deiner Zellgruppe Neubekehrte? Kannst du mit deinem Zellgruppenleiter nach einem Neubekehrten suchen? Bist du bereit, Zeit dafür zu investieren, um Neubekehrte anzurufen und dich mit ihnen zu treffen? Wann wirst du das tun?