Zum Inhalt springen
Changed Lives|Jünger Machen
Teil 2 von 7

Multiplikation ist Leben

Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht hervorbringt.

Johannes 15,8

Zellgruppe – was ist das denn für ein Name?

Der Begriff „Zellgruppe“ ist in der deutschen Sprache nicht ganz glücklich gewählt. Man assoziiert damit vielleicht eine Gefängniszelle oder eine terroristische Vereinigung.

Manche verwenden englische Begriffe wie HEART GROUPS (Home, Encouragement, Accountability, Relationships, Teaching) oder LIFE GROUPS (Living In Fellowship to Evangelize).

Wir haben noch keine bessere Bezeichnung gefunden, die wiedergibt, was eine Zellgruppe ist. Von daher beschäftigen wir uns erstmal mit dem Inhalt; vielleicht fällt uns im Lauf der Zeit ein besserer Name ein. Wichtig ist, dass er die Vision widerspiegelt, die dahinter steht.

Es geht nicht um Zellgruppen

Vielleicht klingt das komisch, aber es ist wichtig zu verstehen, dass es wirklich nicht um Zellgruppen an sich geht. Zellgruppen sind nicht DIE Lösung. Es geht zuerst um Jüngerschaft, bzw. Jüngermacher machen. Jesus befiehlt uns, Jünger zu machen (Matthäus 28,18-20) und das ist die Herausforderung, vor der wir alle stehen.

Um das gut machen zu können, brauchen wir allerdings eine Strategie. Und da kommen Zellgruppen ins Spiel. Wenn wir nur Zellgruppen vor Augen haben, kann es uns dazu führen, dass wir versuchen, mit den falschen Herausforderungen zu kämpfen, indem wir nur versuchen, dass die Gruppen „funktionieren“. Wenn wir das machen, werden wir nur das „WIE“ im Kopf haben. Auf lange Sicht verlieren wir das „WARUM“ aus den Augen, wir verlieren die Leidenschaft und die Kraft und im schlimmsten Fall geben wir einfach auf.

Wenn der Fokus aber auf Jüngerschaft und das Jüngermacher-machen bleibt, dann bleibt uns das Warum vor Augen. Dadurch verstehen wir, was Zellgruppen eigentlich sind: Eine gute Strategie. Nicht mehr und nicht weniger. Sie helfen uns, Menschen zu begleiten, sie in ihrer Jüngerschaft voranzubringen, andere zu Jüngermachern zu machen, neue Leiter hervorzubringen, Gott zu lieben, die Menschen zu lieben; Gemeinde zu leben; die Welt und die Gesellschaft zu beeinflussen, das Evangelium zu verkündigen, und Gott einfach groß zu machen.

Zellgruppen sind die Strategie – nicht das Ziel.

Multiplikation ist ein Synonym für das Leben

Wir leben in einer Welt, die auf Multiplikation aufgebaut ist. Alles was lebt, wird durch Multiplikation aufrechterhalten. In unserem Körper, in den Pflanzen und Tieren geschieht eine außergewöhnliche Multiplikation. Wenn dieser Prozess der Multiplikation der Zellen eines bestimmten Gewebes oder Organs aus irgendeinem Grund unterbrochen wird, bildet sich dieses sofort zurück und stirbt ab.

Ein Mensch entsteht, wenn sich eine Zelle mit einer anderen Zelle verbindet und dabei eine neue Zelle entsteht. Diese neue Zelle multipliziert sich danach mehrere Millionen Mal. So entsteht ein Embryo, der sich in einen Fötus verwandelt, der schon alle menschlichen Funktionen und Fähigkeiten in sich trägt. Der Fötus wiederum wird zum Neugeborenen und dann im Lauf der Jahre zum erwachsenen Menschen, der sich wiederum genauso reproduzieren kann.

Bei der Reproduktion von Tieren und Pflanzen entdecken wir die gleiche Dynamik. Aus einem Samen wachsen Millionen andere. Eine Spinne bringt hunderte anderer Spinnen hervor. Aus einem Fisch entstehen hunderte Fische; aus einer Henne einige Dutzend; aus einem Kätzchen entsteht ein Wurf. Die Natur erneuert sich selbst ununterbrochen mit Hilfe von Multiplikation. Multiplikation finden wir im ganzen Universum. Gott hat alles auf Vervielfältigung angelegt.

Wenn Multiplikation sowohl im mikroskopisch kleinsten als auch im makroskopisch größten Detail geschieht, können wir daraus schließen, dass alles Geschaffene auf einen Wesenszug ihres Schöpfers hinweist:

Unser Schöpfer ist mit Sicherheit ein Gott der Multiplikation.

Aber in der Gemeinde läuft die Arbeit oft nach dem Prinzip der Addition.

  • Addition 12 + 2 = 14, 14 + 2 = 16, 16 + 2 = 18. Auf diese Weise wächst die Zahl der Christen, solange bis eine natürliche Wachstumsgrenze erreicht ist. Dann setzt Stagnation ein.

  • Multiplikation 12 × 2 = 24, 24 × 2 = 48, 48 × 2 = 96. Nur wo ein Multiplikationsprozess in Gang gesetzt wird und die dafür nötigen Strukturen geschaffen werden, ist Wachstum unbegrenzt möglich.

Was sagt die Bibel über Multiplikation?

Im ersten Dialog der Bibel sagt Gott, dass er den Menschen in seinem Ebenbild, ihm ähnlich, erschaffen wird. Im zweiten Dialog gibt er dem Menschen eine sehr klare Anweisung:

So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild, als Gottes Ebenbild schuf er sie und schuf sie als Mann und als Frau. Und Gott segnete die Menschen und sagte zu ihnen: »Seid fruchtbar und vermehrt euch! Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz! Ich setze euch über die Fische im Meer, die Vögel in der Luft und alle Tiere, die auf der Erde leben, und vertraue sie eurer Fürsorge an.«

1. Mose 1,27-28

Von Anfang an war das Konzept der Multiplikation gegenwärtig. Gott erschuf den Menschen mit der Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen; mit der Freiheit, sich zu entscheiden, und mit der schöpferischen Kraft, sich in seiner Art zu multiplizieren. Gott multiplizierte sich in diesem schöpferischen Akt in uns hinein.

Mit dem Sündenfall entstellte der Mensch die Schöpfung; und so verbreiteten sich alle Formen des Bösen und des Durcheinanders. Gott entschloss sich, noch einmal von vorne zu beginnen und erwählte sich hierfür Noah. Welchen Auftrag erhält Noah nach der Flut?

Gott segnete Noah und seine Söhne und sagte zu ihnen: »Seid fruchtbar, vermehrt euch und füllt die ganze Erde!«

1. Mose 9,1

Später wurde Abraham berufen und Gott versprach ihm, ihn zu einer großen Nation zu machen. Wie? Durch Multiplikation seiner Nachfahren.

Da sagte der Herr zu Abram: »Verlass deine Heimat, deine Sippe und die Familie deines Vaters und zieh in das Land, das ich dir zeigen werde! Ich will dich segnen und dich zum Stammvater eines mächtigen Volkes machen. Dein Name soll in aller Welt berühmt sein. An dir soll sichtbar werden, was es bedeutet, wenn ich jemand segne.«

1. Mose 12,1-2

Der Herr führte Abram nach draußen und sprach zu ihm: »Schau hinauf zum Himmel. Kannst du etwa die Sterne zählen?« Dann versprach er ihm: »So zahlreich werden deine Nachkommen sein!«

1. Mose 15,5

Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen?

Bei Jesus fällt auf, dass in vielen seiner Reden und Gleichnisse von Multiplikation die Rede ist.

Ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es ein einzelnes Korn. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.

Johannes 12,24

Ein Teil der Saat jedoch fällt auf guten Boden. Das bedeutet: Jemand hört das Wort und versteht es und bringt dann auch Frucht – einer hundertfach, ein anderer sechzigfach und wieder ein anderer dreißigfach.

Matthäus 13,23

Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück und forderte seine Diener auf, mit ihm abzurechnen. Zuerst kam der, der fünf Talente erhalten hatte. Er brachte die anderen fünf Talente mit und sagte: „Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; diese fünf hier habe ich dazugewonnen.“ – „Sehr gut“, erwiderte der Herr, „du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist mit dem wenigen treu umgegangen, darum will ich dir viel anvertrauen. Komm herein zum Freudenfest deines Herrn!“ Dann kam der, der zwei Talente erhalten hatte. „Herr“, sagte er, „zwei Talente hast du mir gegeben; hier sind die zwei, die ich dazugewonnen habe.“ – „Sehr gut“, erwiderte der Herr, „du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist mit dem wenigen treu umgegangen, darum will ich dir viel anvertrauen. Komm herein zum Freudenfest deines Herrn!“

Matthäus 25,19-23

Im Gleichnis vom wahren Weinstock vermittelt Jesus wertvolle Wahrheiten:

»Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weinbauer. Jede Rebe an mir, die nicht Frucht trägt, schneidet er ab; eine Rebe aber, die Frucht trägt, schneidet er zurück; so reinigt er sie, damit sie noch mehr Frucht hervorbringt. Ihr seid schon rein; ihr seid es aufgrund des Wortes, das ich euch verkündet habe. Bleibt in mir, und ich werde in euch bleiben. Eine Rebe kann nicht aus sich selbst heraus Frucht hervorbringen; sie muss am Weinstock bleiben. Genauso wenig könnt ihr Frucht hervorbringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wenn jemand in mir bleibt und ich in ihm bleibe, trägt er reiche Frucht; ohne mich könnt ihr nichts tun. Wenn jemand nicht in mir bleibt, geht es ihm wie der unfruchtbaren Rebe: Er wird weggeworfen und verdorrt. Die verdorrten Reben werden zusammengelesen und ins Feuer geworfen, wo sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, könnt ihr bitten, um was ihr wollt: Eure Bitte wird erfüllt werden. Dadurch, dass ihr reiche Frucht tragt und euch als meine Jünger erweist, wird die Herrlichkeit meines Vaters offenbart.« Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt: Ich habe euch dazu bestimmt, zu gehen und Frucht zu tragen – Frucht, die Bestand hat.

Johannes 15,1-8

Ein Bauer, der einen Weinstock pflanzt, hat mit Sicherheit ein konkretes Ziel vor Augen: Er möchte Frucht ernten. Weintrauben. Mit diesem Ziel vor Augen sucht er sich die besten Setzlinge, den besten Boden und das geeignetste Klima. Er setzt die beste Pflanz- und Pflegetechnik ein und hat dabei die ganze Zeit nur ein Ziel vor Augen: Trauben und noch mehr Trauben. Seine ganze Arbeit soll sicherstellen, dass sein Weinstock fruchtbar sein wird und er damit das Ziel erreicht, das er von Anfang an im Sinn hatte.

Die Hauptbetonung in diesem Gleichnis liegt auf der Frucht. Alles in diesem Gleichnis dreht sich um Frucht (oder den Mangel an Frucht): Reben, die einfach Frucht bringen; Reben, die mehr Frucht bringen; Reben, die viel Frucht bringen; und Reben, die keine Frucht bringen. Bringt eine Rebe keine Frucht, wird sie abgeschnitten. Trägt eine andere Rebe einfach Frucht, wird sie beschnitten, um noch mehr Frucht bringen zu können. Damit eine Rebe Frucht bringen kann, muss sie richtig mit dem Weinstock verbunden sein, sonst kann sie keine Frucht bringen.

Ziel ist immer, dass viel Frucht entsteht. Nur das bringt dem Winzer Freude und Erfüllung. Darum gibt er seinem Weinstock die bestmögliche Fürsorge: Er führt ihm Wasser, Nährstoffe und was auch immer notwendig ist, zu. Er schneidet alles ab, was das Fruchtbringen verhindern könnte. Müssen wir den Bauern fragen, warum er so viel Geld und Mühe investiert?

Die Zuhörer von Jesus verstanden das Gleichnis mit Sicherheit sofort. Gott ist der Landwirt, Jesus der Weinstock. Jesus wurde in diese Welt hinein gepflanzt, um Frucht zu bringen. Frucht bedeutet u.a. Menschen, die für Gott leben. Wir sind die Zweige an diesem Weinstock, mit dem wir nur aus einem einzigen Grund verbunden sind: um viel Frucht zu bringen. Dafür leben wir. Die Gemeinde (als Ansammlung vieler Zweige) existiert nur dafür. So einfach ist das.

Wenn wir keine Frucht tragen, warum sind wir dann mit dem Weinstock verbunden? Der unproduktive Zweig wird abgeschnitten und weggeworfen, denn er erfüllt nicht die Aufgabe des Weinstocks. Ein solcher Zweig verbraucht Energie und Vorräte, bringt aber keine Frucht. Jede Ähnlichkeit mit stehengebliebenen „Christen“ in Kirchen und Gemeinden ist kein Zufall.

Dasselbe sagt Jesus im Gleichnis vom Feigenbaum:

Dann erzählte Jesus folgendes Gleichnis: »Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum stehen; doch wenn er kam und sehen wollte, ob der Baum Früchte trug, fand er keine. Schließlich sagte er zu dem Gärtner, der den Weinberg pflegte: ›Schon drei Jahre komme ich jetzt, um zu sehen, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde keine. Hau ihn um! Warum soll er den Boden noch länger aussaugen?‹«

Lukas 13,6-7

Offensichtlich ist das Fruchtbringen das eigentliche Ziel. Wir versuchen uns vorzumachen, das eigentliche Ziel wäre es, treu, fleißig und hingegeben zu sein – egal, ob wir Frucht bringen oder nicht. Schließlich seien ja Treue und Hingabe Zeichen von Frucht. Auch wenn Jesus die Frucht nicht genau definiert, dürfen wir nicht versuchen, damit einen Mangel an Frucht zu entschuldigen.

Ein anderes Mal verwendet Jesus ein anderes Bild, um damit das Reich Gottes zu verdeutlichen.

»Womit sollen wir das Reich Gottes noch vergleichen?«, fragte Jesus. »Mit welchem Gleichnis sollen wir es darstellen? Es gleicht einem Senfkorn. Das ist das kleinste aller Samenkörner, die man in die Erde sät. Aber wenn es einmal gesät ist, geht es auf und wird größer als alle anderen Gartenpflanzen. Es treibt so große Zweige, dass die Vögel in seinem Schatten nisten können.«

Markus 4,30-32

Der wichtigste Vergleich dieses Gleichnisses ist: Das Reich Gottes wächst. Alles, worauf Gott seine Hand legt, wächst. Wenn in unserem Leben ein Bereich nicht wächst, dann liegt es daran, dass das Reich Gottes nicht ungehindert durch diesen Lebensbereich fließen kann.

Aus all dem wird deutlich, dass Gott sich über Multiplikation freut – über Multiplikation von Frucht und Ergebnissen, über Wachstum und die Ausbreitung seines Reiches mitten unter uns.

Warum Multiplikation wichtig ist

1. Um mehr Eingangstüren zu schaffen

Jedes Mal, wenn eine neue Zellgruppe entsteht, gibt es einen neuen Berührungspunkt für die Öffentlichkeit und damit ein weiteres Eingangstor in die Gemeinde. Einzelpersonen können so auf verschiedenen Wegen mit der Gemeinde in Kontakt kommen. Einige kommen zum Gottesdienst, bevor sie Kontakt zu einer Zellgruppe haben, andere bekommen zuerst eine Verbindung zu einer Zellgruppe, bevor sie den Gottesdienst besuchen.

Multiplikation ist sehr wichtig für die Gesundheit und das Wachstum einer Zell-Gemeinde. Ohne Multiplikation verwildern Zellen und hören auf zu wachsen. Als Gemeinde existieren wir, um Menschen für Jesus zu gewinnen, und deshalb ist Multiplikation so wichtig, damit mehr Platz für neue Menschen entsteht.

2. Um den Missionsbefehl zu erfüllen

Jesus hat uns den Auftrag gegeben, in alle Welt zu gehen und die Gute Nachricht jedem Menschen zu verkünden. Seitdem hat die Gemeinde versucht, die Gute Nachricht der Errettung zu jedem Ort der Welt zu bringen.

Zellgruppen sind eine Strategie, um den Missionsbefehl zu erfüllen. Multiplikation ist der Schlüssel für die Durchdringung der Gesellschaft mit dem Evangelium. Diese Strategie funktioniert jedoch nur, wenn jede einzelne Zelle das Ziel hat, sich zu multiplizieren. Wenn eine Zellgruppe nur auf sich selbst bezogen ist und sich auf Gemeinschaft und Jüngerschaft allein konzentriert, verliert sie ihre Kraft der Durchdringung und Ausbreitung. Diese Zelle wird ihre Lebendigkeit verlieren, weil sie sich allein auf die Interessen der bereits geretteten Christen konzentriert und die Verlorenen vergessen hat. Aber wenn eine Zellgruppe Multiplikation als ihr Ziel behält, ist diese Zelle bereit, neue Mitglieder und deren Probleme aufzunehmen. Jede Zelle ist dazu berufen, sich zu multiplizieren, um dem Missionsbefehl gerecht zu werden.

3. Um ein gesundes Wachstum beizubehalten

Als John Wesley 1791 starb, hinterließ er eine Gemeinde mit 10.000 Zellgruppen und 100.000 Mitgliedern. Bei den Methodistengemeinden waren Zellgruppen so wichtig, dass man an der Tür zu den Gottesdiensten ein Ticket vorzeigen musste, um zu beweisen, dass man Teil einer Zelle ist. Gott benutzte Wesleys Strukturen, die aus Zellgruppen, größeren Gruppen und Gottesdiensten bestand, um Menschen zu verändern. Viele glauben, dass Gott die methodistische Bewegung gebrauchte, um England vor dem geistlichen, moralischen und sogar physischen Verfall zu retten.

Dennoch verkümmerte die Idee der Zellgruppen und Gottesdienste (in denen sich mehrere Zellgruppen trafen) circa 100 Jahre nach Wesleys Tod. Warum? Ein Doktorand fand heraus, dass der Hauptgrund darin lag, dass die Zellen zu groß wurden. Anstatt die kleinen, persönlichen Zellgruppen von ungefähr 10 Mitgliedern aufrechtzuerhalten, schlossen sich immer mehr Menschen diesen Gruppen an, bis es 30, 40 oder sogar mehr wurden und daraus am Ende Methodistengemeinden wurden. Die Strategie der Zellgruppen hörte auf zu existieren, weil die Zellgruppen zu groß wurden.

Veränderung kann nur in einer Kleingruppenatmosphäre geschehen. Selbst schüchterne Mitglieder können in einer Kleingruppe (3-15 Mitglieder) etwas zum Gespräch beitragen. Wenn die Kleingruppe diese Anzahl übersteigt, ist es wahrscheinlich, dass nur Extrovertierte selbstbewusst genug sind, sich am Gespräch zu beteiligen.

Wie kann eine Zelle wachsen, aber zur gleichen Zeit ihre Vertraulichkeit bewahren? Die einzige Lösung ist MULTIPLIKATION.

Wer braucht schon Zahlen?

Qualität erzeugt zahlenmäßiges Wachstum, und deshalb sind Zahlen wichtig, die auf Wachstum oder das Fehlen von Wachstum hindeuten.

Wenn ich den Fernseher während eines laufenden Fußballspiels einschalte – was ist das Erste, was ich wissen möchte? Natürlich den Spielstand und wie viel Zeit noch zu spielen ist! Diese beiden Zahlen geben mir einen Überblick, und ich nehme einen Standpunkt ein, der auf diesen Daten basiert. Wenn mein Team zurückliegt, bin ich bereits besorgt, bevor ich überhaupt einen einzigen Spielzug gesehen habe: „Spielt Spieler Soundso?“ „Haben wir noch genügend Zeit, um etwas zu ändern?“ Allein die Anzeigetafel löst diese Emotionen aus. Die Anzeigetafel ist nicht immer fair, aber sie ist echt. Denn darauf kommt es an.

Zahlen sind sehr nützlich für einen effektiven Hirtendienst in der Gemeinde/Zellgruppe:

Achte auf den Zustand deiner Herden, kümmere dich um deine Schafe und Ziegen.

Sprüche 27,23

Da erzählte ihnen Jesus folgendes Gleichnis: „Angenommen, einer von euch hat hundert Schafe, und eins davon geht ihm verloren. Lässt er da nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voller Freude auf seine Schultern und trägt es nach Hause. Dann ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ‚Freut euch mit mir! Ich habe das Schaf wiedergefunden, das mir verloren gegangen war.‘“

Lukas 15,3-6

Im Gleichnis vom verlorenen Schaf sehen wir einen liebenden Hirten, der sich gut um seine Schafe kümmert. Wir sind beeindruckt von seiner Fürsorge, denn er geht auf die Suche nach dem verlorenen Schaf, rettet es und feiert seine Rückkehr.

Woher wusste er, dass ein Schaf fehlte? Erstens wusste er, wie viele Schafe in der Herde waren: 100. Er hat sie vermutlich mehrmals am Tag gezählt. Bei einer Zählung stellte er fest, dass ein Schaf fehlte. Sicherlich hat er die Herde noch einmal gezählt. Nur durch Zahlen war es ihm möglich, die Liebe eines Hirten in die Tat umzusetzen. Was wäre passiert, wenn er seine Herde nicht gezählt hätte? Vielleicht hätte er niemals bemerkt, dass ein, zwei oder drei Schafe fehlten.

Eine Gemeinde kann es sich nicht leisten, nicht aufzuzeichnen, was geschieht. Zahlen zeigen den Stand der Dinge. Wir brauchen Zahlen, um zu wissen, was es zu feiern gibt, um ermutigt zu werden, um zu planen, zu korrigieren und um unsere Bemühungen zu optimieren.

Allerdings müssen wir vorsichtig sein, damit die Motivation hinter den Zahlen stimmt. Zahlen sind nicht unser Ziel. Sie dienen nur dazu, uns in die richtige Richtung zu lenken.

Qualität und Quantität

Die Apostelgeschichte zeigt uns, wie sich die Gemeinde am Anfang entwickelt hat. Es ist beeindruckend, wie sie zahlenmäßig gewachsen ist. Ohne Bedenken gegenüber Zahlen wird in der Apostelgeschichte das Wachstum der frühen Kirche dokumentiert. In den ersten acht Kapiteln sieht man unterschiedliche Vorkommen von Zahlen, Mengen und Zeichen des zahlenmäßigen Wachstums der Kirche, die aufgezeichnet wurden, und was zu diesem Wachstum geführt hat:

  • Apg 2,41 – 3000 wurden getauft. Was vorher geschah (Apg 2,1-12): Pfingsten. Sie wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt.

  • Apg 2,47 – Der Herr fügte täglich hinzu, die gerettet wurden. Was vorher geschah (Apg 2,42-47): Eine lebendige Gemeinde, die von Ehrfurcht erfüllt ist, ihren Besitz teilt, in Gemeinschaft lebt und fest im Wort steht.

  • Apg 4,4 – Die Zahl der Männer, die glaubten, wuchs auf ungefähr 5000. Was vorher geschah (Apg 3,6-8): Heilung eines Mannes, der von Geburt an gelähmt war, am Tempeltor, durch Petrus und Johannes.

  • Apg 5,14 – Immer mehr Männer und Frauen glaubten an den Herrn und wurden ihrer Zahl hinzugefügt. Was vorher geschah (Apg 5,1-12): Der Tod von Ananias und Saphira verursachte große Ehrfurcht; die Apostel taten Zeichen und Wunder.

  • Apg 5,28 – Ganz Jerusalem ist voll. Was vorher geschah (Apg 5,25): Apostel lehren das Volk.

  • Apg 6,1 – Die Gemeinde wuchs. Was vorher geschah (Apg 5,42): Die Apostel lehrten Tag für Tag.

  • Apg 6,7 – Die Zahl der Jünger in Jerusalem nahm schnell zu. Was vorher geschah (Apg 6,1-6): Einsetzung von Diakonen; Konzentration der Apostel auf die Wortverkündigung und das Gebet.

  • Apg 8,6 – Große Menge. Was vorher geschah (Apg 8,4-5): Philippus predigte.

  • Apg 8,12 – Viele glaubten und wurden getauft. Was vorher geschah (Apg 8,5-8): Philippus vollbrachte Zeichen.

Wie multiplizieren wir uns?

Multiplikation ist der Beweis, dass etwas Gesundes stattfindet: Gottes Leben fließt zwischen den Zellgruppenmitgliedern, Menschen werden erreicht, verändert, ausgebildet und ausgesandt. Jünger werden hervorgebracht, der Missionsauftrag wird erfüllt, das Königreich Gottes ist erfahrbar, während die Zellgruppe in jeder Hinsicht wächst.

Von Multiplikation von Zellgruppen zu sprechen ist dasselbe, wie von der Brotvermehrung zu reden. Die Multiplikation ist nicht das Ergebnis einiger angewandter Techniken oder ausgeklügelter Strategien. Die Multiplikation ist das Ergebnis der Manifestation der Kraft Gottes. Es ist nicht das Werk von Menschen, sondern es ist Gottes Werk.